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Mitternachtskaffee - Ein Interview zur Ausstellung mit der Künstlerin Rana Kalash

Rana Kalash ist 1985 in Damaskus geboren und lebt seit 2015 in Berlin. Sie studierte Arabische Literatur an der Universität Damaskus und arbeitete als Kunstlehrerin. In Berlin gibt sie Malkurse an der Volkshochschule und ist als Künstlerin tätig. Aktuell werden ihre Werke bei Frauenkreise ausgestellt.

[Rana Kalash vor ihren Werken bei Frauenkreise.]


Liebe Rana, du nutzt in vielen deiner Bilder Kaffee als Farbe. Wie bist du dazu gekommen?


Manchmal lehrt die Armut einen, wie man sich neue Wege bauen muss – Farben waren einfach zu teuer für mich. Kaffee als Farbe entdeckte ich dann allerdings eher zufällig. Eines Tages ist beim Malen mein Kaffeebecher aufs Papier gekippt. In dem Fleck habe ich ein Gesicht gesehen, das habe ich dann fertig gemalt. Daher kam die Idee – warum male ich nicht einfach mit Kaffee? Ich koche ihn für zwei bis drei Stunden. Dann lasse ich ihn so zehn Tage stehen, um eine dunkle, dicke Farbe zu bekommen. Damit male ich dann.


Hat sich deine künstlerische Praxis verändert, nachdem du 2015 nach Deutschland gekommen bist?


Ich glaube, meine Bilder sind mutiger und rebellischer geworden. Ich fühle mich stärker. Ich male wie ich will, wann ich will, was ich will. Ich glaube, mein Stil hat sich verändert, weil ich in einer anderen Situation bin. Mein Leben hat sich verändert und das drückt sich aus. In Damaskus war meine Kunst wie ein Hobby, nicht besonders professionell. Ich hatte viel zu tun mit meiner Familie, meinem Studium, meiner Arbeit. Ich habe manchmal gemalt, aber lange auch nicht. Hier in Deutschland habe ich mehr Zeit zum Nachdenken. Und Heimweh. Das macht meine Kunst stärker.


Ist Heimweh auch ein Thema in deiner Kunst?


Ja, natürlich! Ich male viele Bilder von den alten Straßen in Damaskus. Heimweh ist ein trauriges Gefühl, aber ich kann diese Traurigkeit mit dem Malen, mit der Kunst rauslassen. Heimweh und die Situation von Frauen sind wichtige Themen für mich.


Du malst viele Portraits von Frauen, die einen mit ihrem Blick fixieren. Warum ist das so ein zentrales Motiv für Dich?


Die Gesichter von Frauen inspirieren mich sehr. Die Gesichter, die ich male, offenbaren Traurigkeit, Leiden, aber auch Freude. Es ist sehr wichtig für mich, diese Gefühle über das Gesicht, über die Augen zu zeigen. Aber vor allem ist mir wichtig, das Leiden und die Wünsche von Frauen in diktatorischen männlichen Gesellschaften auszudrücken. Das möchte ich mit meinen Bildern schaffen.


Hast du Vorbilder für deine Malerei?


Ja, ich bin beeinflusst von klassischen Künstlern wie Rembrandt, aber auch vom syrisch-palästinensischen Künstler Jihad Hanoun. Diese Bilder beeinflussen mich sehr. Jihad Hanoun macht auch Ausstellungen in Berlin und bald kommt glaube ich auch eine große Ausstellung von ihm. [Ranas Sohn unterbricht mit einem wichtigen Anliegen das Interview: Er hat ein neues Spiel im App Store entdeckt!]


Du bist heute mit deinem Sohn hier und hast insgesamt drei Kinder. Was bedeutet Mutterschaft für deine Malerei?


Das ist eine schwierige Frage. Wenn man Kinder bekommt, bleibt meistens nur wenig Zeit für Hobbies oder was man sonst so machen will. Ich mache das dann alles in der Nacht, wenn meine Familie schläft. Dann kann ich malen, lernen oder ein Buch lesen. Am Tag kann ich das nicht. Kinder sind eine große Pflicht und viel Arbeit. Ich kann sie nicht einfach Zuhause spielen lassen und dann malen.

Besonders in dieser Zeit – alle meine Kinder sind Zuhause, die Schulen sind geschlossen, die Kitas sind geschlossen. Normalerweise habe ich dann ein wenig Zeit für mich, zum Nachdenken und Malen. Wenn die ganze Familie aber Vollzeit Zuhause bleibt, und Angst hat wegen dieser Krankheit, dann ist das sehr schwierig. Aber mit diesem starken Gefühl male ich trotzdem viele Bilder! Bilder mit Traurigkeit und Angst. In der Einsamkeit der Nacht male ich viel, zum Beispiel das Bild mit dem Brunnen. Das habe ich im Februar 2020 angefangen und es war nach acht Monaten fertig. Jede Nacht habe ich daran gemalt. Es ist das beliebteste Bild in meinem Herzen, weil es aus einer schwierigen Zeit kommt. Nachts diese Bilder zu malen, gibt mir ein gutes Gefühl.


Momentan sind deine Bilder in unseren Räumen ausgestellt. Sind weitere Ausstellungen geplant? Woran arbeitest du gerade?


Gerade schließe ich meinen B2-Deutschkurs ab. Wenn ich damit fertig bin, möchte ich nächstes Jahr an der Universität der Künste weiter studieren. Ich hatte letztes Jahr eine Ausstellung im Museum Friedland. Das war interessant, weil arabische und deutsche Künstlerinnen zusammen Bilder gemalt haben. Ich habe also eine Hälfte vom Bild gemalt und weggeschickt. Die andere Hälfte wurde von der Künstlerin Cathrin Wagner gemalt. Wir kannten uns nicht und haben uns erst zur Ausstellungseröffnung kennengelernt. Die Ausstellung wird in diesem Jahr in verschiedenen Städten gezeigt. In der Langen Nacht der Bilder in Lichtenberg werden auch ein paar Bilder von mir ausgestellt. Ich plane auch eine Ausstellung mit einer befreundeten Künstlerin. Wegen Corona ist aber alles schwierig. Deshalb können wir ja auch bei Frauenkreise keine große Eröffnung machen. Hoffentlich geht das bald wieder!


Hoffentlich! Sobald wir eine Ausstellungseröffnung planen, geben wir sofort Bescheid.


Die Ausstellung kann bis zum 13. August während der Öffnungszeiten und nach Vereinbarung bei den Frauenkreisen besucht werden.